Bammel vor Videointerviews?

Vor einer Kamera zu stehen, ist einer dieser Momente, in denen man alles spürt: Adrenalin, Neugier und vielleicht auch ein bisschen Angst. Egal, ob es sich um einen Dokumentarfilm, einen Imagefilm oder ein Fernsehinterview handelt, mit diesem Moment gut umzugehen, ist eine Fähigkeit, die Gold wert ist - und die man lernen kann.
Vorbereiten, aber nicht auswendig lernen
Die Vorbereitung ist die Grundlage für alles. Studieren Sie das Thema, lesen Sie, was in letzter Zeit zu diesem Thema veröffentlicht wurde, machen Sie sich mit den relevanten Daten vertraut. Versuchen Sie auch, etwas über den Gesprächspartner zu erfahren: seinen Stil, die Interviews, die er bereits geführt hat, die Art und Weise, wie er Fragen formuliert. Das ist ein großer Vorteil, denn so können Sie den Verlauf des Gesprächs besser vorhersehen.
Bestimmen Sie Ihre Schlüsselbotschaften - zwei oder drei Konzepte, die Sie unbedingt vermitteln wollen - und behalten Sie sie als Bezugspunkte im Kopf. Aber lernen Sie sie nicht Wort für Wort auswendig: Wenn Sie sie rezitieren, wird das sofort gehört, und Sie verlieren jede Glaubwürdigkeit.
Der Körper spricht vor Ihnen
Bei einem Videointerview kommt die visuelle Wirkung, bevor Sie überhaupt den Mund aufmachen. Kleiden Sie sich so, wie Sie es normalerweise tun, und wählen Sie etwas, das dem Kontext angemessen ist, in dem Sie sich aber auch wirklich wohlfühlen - das Tragen von “Bühnenkleidung” ist genauso auffällig wie die Schauspielerei. Vermeiden Sie Streifen, Karos und aggressive Muster: Auf Video werden sie zu einem optischen Alptraum, der von allem anderen ablenkt.
Halten Sie den Rücken gerade, aber nicht steif, und wippen Sie nicht - weder im Sitzen noch im Stehen. Bevor Sie beginnen, werfen Sie einen Blick in den Spiegel: Haare, Make-up, Tierhaare auf der Kleidung oder Schuppen. Es sind kleine Details, aber sie machen einen Unterschied. Und lächeln Sie: Ein echtes Lächeln schafft sofort Sympathie und sorgt dafür, dass Sie sich beide wohlfühlen.
Authentizität wird nicht gefälscht
Die Zuhörer merken sofort, wenn jemand eine Rolle spielt. Seien Sie Sie selbst, sprechen Sie mit Ihrer eigenen Stimme, lassen Sie Ihre Leidenschaft für das, worüber Sie sprechen, durchscheinen - Begeisterung ist ansteckend. Verwenden Sie eine direkte und verständliche Sprache, ohne unnötige Formalitäten, und wenn Sie konkrete Beispiele oder persönliche Episoden erzählen können: Geschichten bleiben viel mehr im Kopf als Statistiken.
Variieren Sie das Tempo und den Tonfall der Stimme. Immer in der gleichen Geschwindigkeit und im gleichen Tonfall zu sprechen, ermüdet den Zuhörer. Modulieren Sie, beschleunigen Sie, verlangsamen Sie - behandeln Sie Ihre Stimme wie ein Instrument.
Gelassenheit im Angesicht schwieriger Fragen
Sie werden kommen. Eine unerwartete Frage, eine, die Sie in Bedrängnis bringt, eine, auf die Sie nicht wissen, wie Sie antworten sollen. Nehmen Sie sich ein paar Sekunden Zeit, bevor Sie antworten: Eine Pause ist keine Schwäche, sondern Nachdenklichkeit. Wenn Sie die Antwort nicht wissen, sagen Sie es - Ehrlichkeit schafft mehr Glaubwürdigkeit als eine improvisierte Antwort. Wenn die Frage unangebracht oder zu persönlich ist, können Sie das Gespräch höflich auf das lenken, was Sie wirklich sagen wollen, ohne dabei abrupt zu sein. Lassen Sie sich nicht provozieren, lassen Sie sich nicht auf eine Kontroverse ein - die Beherrschung des Tons ist immer Ihre Stärke.
Pausen sind deine Verbündeten
Wenn man nervös ist, neigt man dazu, unaufhörlich zu reden, um die Stille zu füllen. Widerstehen Sie dem. Pausen sind mächtige Werkzeuge: Eine Pause vor einem wichtigen Begriff unterstreicht ihn, eine Pause danach macht ihn klarer. Sie müssen nicht jede Sekunde mit Worten füllen - Stille in einem Gespräch ist normal und sagt manchmal mehr als tausend Worte.
Schließen, so dass es bleibt
Der Schluss ist der Moment, in dem Sie Ihre Spuren hinterlassen. Fassen Sie die Punkte, die Sie angesprochen haben, in einigen Sätzen zusammen, und wenn Sie einen starken Satz haben, einen Gedanken, den die Zuhörer mit nach Hause nehmen sollen, ist dies der richtige Moment, ihn zu sagen. Bedanken Sie sich zum Schluss immer herzlich bei Ihrem Gesprächspartner: Es ist eine einfache Geste, die das Gespräch auf die richtige Weise beendet.
Das Vorstellungsgespräch ist kein Verhör. Es ist ein Gespräch - und wie alle Gespräche funktioniert es umso besser, je präsenter, authentischer und engagierter Sie sein können. Mit etwas Übung wird das anfängliche Gefühl von Adrenalin zum Treibstoff statt zur Bremse.
